Dr.-Ing. Anton PETER-FRÖHLICH (Berliner Wasserbetriebe)
anton.peter-froehlich(at)bwb.de

Zentrale, konventionelle Wasserver- und Abwasserentsorgungskonzepte, in industrialisierten Ländern seit Jahrzehnten entwickelt und angewandt, sind aufgrund hoher Kosten, hohen Wasserverbrauches und geringer Wiederverwendung von Nährstoffen nicht hinreichend nachhaltig. Dies gilt insbesondere nicht für den Einsatz in Entwicklungsländern. Zielvorstellungen der nachhaltigen Konzepte sind eine weitgehende Wiederverwendung des gereinigten Abwassers, sowie der Nährstoffe, verbunden mit einem geringeren Energiebedarf bzw. einer Produktion von Energie. Alternative Konzepte und Techniken stehen bereits seit einiger Zeit zur Verfügung und werden auch angewendet, dennoch sind weitere Entwicklungen und Plausibilitätsprüfungen erforderlich.



Aus diesem Grund hat das Kompetenzzentrum Wasser Berlin (KWB) zusammen mit den Berliner Wasserbetrieben (BWB) und Veolia Water ein entsprechendes EU-Demonstrationsprojekt (Sanitation Concepts for Separate Treatment (SCST)) durchgeführt. Hierbei wurden zwei unterschiedliche Sanitärkonzepte in Gebäuden der BWB auf dem Gelände des Klärwerks Stahnsdorf erprobt.




Ziel dieses Projektes war die Erprobung, ob diese neuen Sanitärkonzepte sowohl in ökologischer als auch in ökonomischer Hinsicht signifikante Vorteile gegenüber den konventionellen Sanitärsystemen mit Schwemmkanalisation und Kläranlage (end-of-pipe-system) bieten.
Die neuen Sanitärkonzepte für die separate Ableitung und Behandlung von Gelbwasser (Urin), Braunwasser (Fäkalien ohne Urin zzgl. Toilettenspülwasser) und Grauwasser (Küche, Bad) wurden in bestehenden Gebäuden (Betriebsgebäude und Wohngebäude) auf dem Gelände des Klärwerks Stahnsdorf bei Berlin realisiert. Das neue Sanitärkonzept im Betriebsgebäude wurde 2002/2003 im Rahmen der Gebäudesanierung installiert und wurde im Frühjahr 2005 auf das Wohngebäude erweitert.

Die wichtigsten Ergebnisse sind:
Die Ergebnisse bestätigen ein Entwicklungspotential für neue Sanitärkonzepte. Für eine Einführung in größerem Maßstab sind weitere Entwicklungsschritte, insbesondere auf dem Bereich der Sanitärtechnik, erforderlich. Da die Themen Wassereinsparung, Wasserwiederverwendung, Nährstoffrecycling und Energieeinsparung immer wichtiger werden, sind generell weitere Arbeiten zu diesen Themenfeldern notwendig, was auch an vielen anderen Stellen bereits geschieht. Beispielsweise hat die DWA (Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e.V.) 2005 einen Fachausschuss „Neuartige Sanitärsysteme“ gegründet, der das aktuelle Wissen zu dieser Thematik zusammenträgt und veröffentlicht. Beispiele für Anwendungen neuartiger Sanitärsysteme sind die Solar City in Linz (Österreich), Haus Griesbach der EAWAG (Schweiz) und in Deutschland neben dem SCST-Projekt in Stahnsdorf die Siedlung Flintenbreite (Lübeck), die Fa. Hans-Huber (Berching), die Lambertsmühle (Burscheid) und die GTZ (Eschborn). In einigen diesen Projekte wird an der Weiterentwicklung dieser Thematik gearbeitet. In Berlin sind z.Z. keine Anwendungen geplant, da vor allem noch oben angeführte Probleme bzw. Unklarheiten bestehen (Details siehe SCST-Abschlussbericht).
